Auf die inneren Werte kommt es an!

Eigenschaften
 
Hallöchen, lieber User.
 
Willkommen beim vierten Teil der Reihe „Wie erstelle ich einen RPG-tauglichen Charakter?“. Heute geht es um eines der wichtigsten Themen bei der Charaktererstellung. Nämlich der Frage, wie sich der Charakter verhält und wie er auf andere wirkt. Kurzum: Es geht um das Wesen des Charakters bzw. um dessen Persönlichkeit. Das klingt jetzt bestimmt total abgehoben und schwer, aber das muss es nicht sein. Eigentlich ist das sogar ganz einfach. Aber lies einfach weiter.
 

1. „Wahre“ und „Falsche“ Charaktereigenschaften

Wenn man sich die Persönlichkeit des angestrebten Charakters überlegt, kommt immer die Frage nach dem „Wie ist der Charakter?“ auf. Allerdings ist diese sehr schwammig und verleitet dazu, sich Eigenschaften auszusuchen, die in der Wesensbeschreibung rein gar nichts verloren haben. Diese nenne ich gern „falsche Merkmale“. Besser sind die Fragen „Wie verhält sich der Charakter im Umgang mit sich/mit anderen/mit Gegenständen/mit verschiedenen Situationen? Wie wird er von anderen wahrgenommen?“. Sie spiegeln das Wesen viel besser wider und verhindern unechte Charaktereigenschaften von vorn herein. 
 
Vor einer Aufzählung von wahren und falschen Eigenschaften noch ein kleines Beispiel zu diesem Thema: Nehmen wir an, der Charakter ist ein reicher Schnösel, der mit Geld nur so um sich wirft. Nahe liegend wäre, „Er ist reich“ in seine Charakterbeschreibung einzufügen. Allerdings sagt das weder etwas über sein Verhalten mit dem Geld aus, noch darüber, wie er von Anderen, des Geldes wegen, gesehen wird. Damit entspricht „Er ist reich“ einem falschen Wesensmerkmal. Entsprechende „wahre“ Eigenschaften könnten lauten: „Er ist sehr verschwenderisch und achtet nicht auf sein Geld.“, „Er kauft sich alles, was er bekommen kann.“, „Er ist eine Anlaufstelle für die Geldsorgen seiner Freunde.“ usw. Man kann sich nun viel besser vorstellen, wie sich der Charakter im Umgang mit Geld verhält und genau das ist der Sinn der wahren Eigenschaften. Sowohl du, als Charakterersteller, als auch der/die Mitspieler haben direkt ein Bild von dieser Person vor Augen.
Außerdem kann man den Charakter mit echten Verhaltensweisen viel lebensechter darstellen. Das erleichtert später sowohl das Schreiben, als auch die Berechenbarkeit des Charakters.
 
Hier nun ein paar wahre und falsche Charaktereigenschaften. Die Liste ist weit ab jeglicher Vollständigkeit und dient lediglich dazu, Beispiele aufzuzeigen, um das Thema verständlicher zu machen! Solltest du noch Merkmale kennen, die hier unbedingt hin gehören, darfst du sie mir gern verraten 😉
 

2. Charakterstärken und Charakterschwächen

Das A und O einer Charaktererstellung sind Schwächen der zu erstellenden Person. Manche wollen diese direkt ausgewiesen haben, damit man unter allen Umständen sieht, dass der Charakter keine verabscheuungswürdige Mary Sue oder ein Garry Stu ist. Ich persönlich halte das jedoch für unnötig. Warum? Weil es bei den Wesenszügen und den Fähigkeiten Benennungen gibt, die einen Nachteil für die Person bedeuten. Natürlich ist es einfacher, nach den Schwächen im Steckbrief zu suchen, wenn diese explizit ausgewiesen sind. Aber diese Vorgehensweise hat bei der Erstellung etwas chaotisches. Immerhin müsste man in der Rubrik „Schwächen“ Charakterschwächen, Fähigkeitsschwächen und sonstige Schwächen reinschreiben. Warum nicht also gleich in die dazugehörige Kategorie einbauen? 
 
Lange Rede, kurzer Sinn: Zu jedem Charakterzug, den eine Person haben kann, könnte sie theoretisch auch eine Charakterschwäche ihr eigenen nennen. Das bedeutet, dass es für jede Stärke auch eine Persönlichkeitsschwäche geben kann. Es muss bei der Auswahl an Eigenschaften kein 1:1 Verhältnis von ‚gut und schlecht‘ vorhanden sein, aber wenn man pro 2 positiven Eigenschaften eine hinderliche auswählt, ist man auf einem guten Weg. 
 
Auch hier ein Beispiel zur Verdeutlichung. Da es etwas komplexer ist, sind die Schwächen eingefärbt. Charakterstärken werden unterstrichen. 
Die verschwenderische Person aus Punkt 1 kauft sich bekanntlich alles, was sie bekommen kann. Leider ist es ihr nicht möglich, zwischen sinnvollen und nicht sinnvollen Beschaffungen zu unterscheiden. Doch da die Person weiß, dass es für solche Probleme z.B. Finanzberater gibt, hat sie einen solchen angestellt. Was natürlich nicht heißen muss, dass der Reiche auf den Rat des Angestellten hört. Seine rational denkende Seite mahnt ihn dazu. Allerdings hat er sein Verschwendertum zu lang vollzogen, als dass er von jetzt auf gleich alles ändern könnte.
In dem Beispiel haben wir nun die Charakterschwächen „Verschwenderische Person“ und „Ihr ist es nicht möglich, zwischen sinnvoll und nicht sinnvoll zu unterscheiden“. Die positiven Gegencharakterzüge könnten „Die Person hat eine gute Allgemeinbildung“ und „Sie sieht die Welt eher durch die Augen eines Realisten“ lauten. Man könnte diese Eigenschaften auch anders formulieren oder mehr darauf eingehen, dass die Person fast schon süchtig nach dem Geldausgeben ist. Je nachdem, wie man sich den Charakter eben vorstellt. 
 

3. Widersprüchliche Charaktermerkmale

Man muss bei der Auswahl der Charaktermerkmale normalerweise beachten, dass alle Punkte zu einander passen. Unstimmigkeiten und Widersprüchlichkeiten sind damit ausgeschlossen, oder? Teilweise. Unstimmigkeiten bzw. Merkmale, die auf Biegen und brechen nicht zusammen passen wollen, sind natürlich auszubessern. Allerdings gilt das nicht immer für Widersprüche. Wie sonst entstehen Charaktere, die kein Problem damit haben, vor tausenden aufzutreten, aber sich in privater Umgebung von den Anderen abschotten? Oder Personen, die auf Lob und Anerkennung hin arbeiten, denen diese Anerkennung dann jedoch zu unangenehm ist? Leute, die sich bei anderen denken „warum sagt der nie nein?!“ und selbst niemals nein sagen würden? Klar, könnte man hier mit hochpsychologischen Erklärungen antworten, aber das wäre doch witzlos. Fakt ist, dass es widersprüchliche Charaktere gibt und nicht alle Ecken ausgebügelt werden müssen. Die Merkmale sollten sich nur nicht zu stark gegeneinander sträuben.
 

4. Praktisch

Zuerst nimmt man sich die Charaktereigenschaften her, die die Person berufsbedingt benötigt. Dann fragt man sich, ob diese Charaktereigenschaften ein gegenteiliges Merkmal (also bei Stärken eine Schwäche oder anders herum) bei der Person hervor rufen. Wenn sie z.B. unter Druck sehr panisch wird, helfen ihr die sonst so ruhigen Finger kaum noch. Jetzt wird Aussehen, Geschlecht, Alter und Rasse betrachtet und nach passenden Persönlichkeitsmerkmalen gesucht. Auch hier stets unter dem Aspekt, dass man Gegenmerkmale findet. Soll der Charakter widersprüchlich angehaucht sein, dann müssen auch die Eigenschaften, die dazu führen, festgehalten werden.
Dann wird erst einmal Pause gemacht und sich mit anderen Dingen beschäftigt 😉
Nach der Pause eine Kontrolle, ob die Merkmale zusammen passen oder irgendetwas aus dem Rahmen fällt. Umformulieren, abnicken und sich freuen! Denn sobald die Eigenschaften fixiert sind, hast du schon ein sehr schönes Bild von deinem Charakter. Ab jetzt kommt nur noch der Feinschliff.
 
Und mit diesem Feinschliff wird es dann beim nächsten Thema „Vorlieben und Abneigungen“ beginnen.
 
In dem Sinne.
Grüße,
ich