Zeigt her Euren Lebenslauf

Leben
 
Hallöchen, lieber User.
Mit diesem Beitrag bewegen wir uns auf das Finale des Projekts „Wie erstellt man einen RPG-tauglichen Charakter?“ zu. Heute wird besagter Charakter seine Vergangenheit verpasst bekommen. Wie ist er aufgewachsen? Was hat er bisher erlebt? Was hat er gelernt? Dies und vieles mehr wirst du hier finden. Schönes lesen 🙂
 

1. Hintergrund warum?

Vielleicht stellt sich dir genau diese Frage, wenn du liest, dass du dir auch noch eine Vergangenheit des Charakters ausdenken zu musst. Immerhin könnte man die Person bereits als fertig betiteln. Schreiben kann man auf Grundlage der bisher festgelegten Punkte auch. Also warum sich noch die Mühe machen und einen Lebenslauf erstellen?
 
Dafür gibt es viele Gründe. Hier ein paar davon:
• Mitspieler können sich besser in die beschriebene Person hinein versetzen.
• Wie der Charakter handelt, wird immer auch von seiner Vergangenheit beeinflusst.
• Bestimmte Charaktermerkmale/Vorlieben/… können dadurch erklärt werden.
• Du kannst als Schreiber z.B. auch Flashbacks aus seinem Leben in die Postings einbauen.
• Hintergrundgeschichten machen neugierig. Man will den Charakter so kennen lernen, wie er jetzt ist.
• In Vergangenheitsgeschichten sind wichtige Ereignisse im Leben der Person vermerkt. Man muss sich also nicht alles merken.
• usw.
 
Vieles dient also der Hilfe beim Posten oder beim Verstehen eines Posts zum betreffenden Charakter. Oder beim Verstehen, wie der Charakter geworden ist, wie er momentan dargestellt wird. Außerdem kann die Vergangenheit auch amüsant gestaltet werden, wenn der Charakter das zu lässt. Nicht, dass Spaß ein Anreiz für die Erstellung einer Hintergrundgeschichte ist. Wobei? Doch 🙂
 

2. Inhalt der Vergangenheitsbeschreibung

Generell kann man sich die Geschichte des Charakters wie eine Art Lebenslauf vorstellen. Man beginnt im (Klein-)Kindesalter und arbeitet sich anhand verschiedener Erlebnisse, Ereignisse, etc. durch das vergangene Leben der Person. Dann fügt man evtl. noch ein paar Ideale ein und schon hat man eine fertige Lebensgeschichte. Das klingt jetzt sehr einfach, ist aber etwas mehr Arbeit.
 
Im Folgenden werde ich keine Altersangaben machen. Ich verwende die Benennungen, wie ich sie bereits im ersten Projektteil definiert habe.
 
Kindheit
Jedes Leben beginnt mit der Geburt, dem Säuglings- und Kleinkindalter. Da sich eine Person jedoch selten an seine ersten Jahre erinnern kann, beginnt der Lebenslauf meist erst im Kindesalter. Generell sind hier die Familienverhältnisse zu klären. Also wie groß war die Familie? Wie bekannt/reicht (wenn es für den Charakter relevant ist)? Wurde der Charakter eher verhätschelt oder war er der Außenseiter? War er evtl. Waise? Adoptiert?
Darauf bauen sich dann grundlegende Dinge auf, die das Kind erlernt hat. Bei einer großen Familie könnte es z.B. gelernt haben, sich durchzusetzen oder einfach immer ruhig zu sein. Solche Verweise auf die Persönlichkeit des Charakters verhelfen wieder zum „Aha!“-Effekt und schon wirkt die Person nicht mehr so mysteriös.
Darüber hinaus kann man hier auch Kindheitsträume offen legen, sofern sie für den Charakter im „Jetzt“ noch wichtig sind.
 

Der Charakter entwickelt sich

Kindliche Ideale und Interessen verändern sich, der Charakter wächst heran. Genau das soll im weiteren Verlauf der Beschreibung deutlich werden. Du wirst nicht jedes Lebensjahr genau darstellen müssen. Es reicht, sich auf wichtige Veränderungen zu beschränken. Oder auf Gegebenheiten, die sich über lange Zeit hindurch gezogen haben. Allerdings sollte so viel wie möglich von dem auftauchen, durch das das Leben des Charakters beeinflusst wurde. Sowohl im positiven, als auch im negativen Sinn. Nicht jeder hatte eine heile Vergangenheit.
 
Es ist mir bewusst, dass es wie ein Widerspruch klingt. Zuerst nur das Nötigste und dann alles? „Das Nötigste“ bezieht sich in dem Fall eher darauf, dass der Lebenslauf nicht mit Sinnlosigkeiten gefüllt wird. „Alles“ dagegen auf die wichtigen Dinge, die den Charakter wirklich begleitet haben.
 

Prägende Erlebnisse/Ereignisse

In jedem Leben gibt es Ereignisse, die dem Charakter entweder so zusetzen, dass er sie nie wieder vergisst oder die ihn ‚zu einem besseren Wesen‘ machen. Es sind die Todesfälle geliebter Personen, gewalttätige Eltern/Freunde oder Kriege auf der negativen Seite. Dagegen halten die erste Liebe, Abschlüsse mit exzellenten Noten und die Herzlichkeit der Mutter die Waage. Diese Erfahrungen sind es, die ein Leben dauerhaft verändern. In wie weit, bleibt deine Entscheidung. Wichtig ist aber, dass es Erlebnisse sind, die den Charakter möglicherweise noch bis zum „Jetzt“ beschäftigen oder an die er sich immer wieder gern erinnert. Demnach dürfen es nicht zu viele sein. Zu viele würden sie ihren Wert verlieren und einfach nur zu der einfachen Charakterentwicklung degradiert werden.
 

Blick in die Zukunft

Dein Charakter hat noch immer große Träume? Oder Ziele, die er erreichen möchte? Will er einfach nur diese lästige Raucherei los werden?
Alles, was die Person in ihrem Leben noch erreichen will, gehört hier hinein. Zugegeben, diese Kategorie ist in VERGANGENHEITSbeschreibungen eher selten zu finden. Dennoch halte ich sie, je nach Charakter, für wichtig. Wenn es sich z.B. um eine Person handelt, die ihr ganzes Leben streng durchgeplant und alles daran ausgerichtet hat. Oder um jemanden, der sich schon lang mit seinen schlechten Angewohnheiten herum geplagt hat bzw. schon länger versucht, sie sich abzugewöhnen. Besonders für das zweite Beispiel bietet sich ein Blick in die Zukunft an. Der Charakter wird seine Versuche nicht plötzlich beenden, weil das RPG beginnt. Es ist eine Aufgabe, die ihn weiterhin verfolgen und die definitiv auch seine Postings beeinflussen wird. Also kann man seine Mitspieler doch schon dezent vorwarnen, oder? 🙂
 

3. Anpassung des restlichen Steckbriefs

Manchmal gibt es während der Formulierung der Geschichte Momente, in denen man sich denkt: „Das würde besser passen. Aber dann passt xyz nicht mehr.“ Oder einem fällt auf, dass Punkte im Steckbrief auf einmal überflüssig geworden sind, weil sie schon vorher relevant waren und damit ihren Platz in der Vergangenheitsbeschreibung gefunden haben.
Dies sind die Momente, in denen der restliche Steckbrief abgeändert werden muss. Wenn es dir als Ersteller negativ auffällt, KANN es nämlich gar nicht passen. Nicht nur deswegen, weil du mittlerweile den „großen“ Plan deines Charakters im Kopf (und idealerweise auch irgendwo niedergeschrieben) hast, sondern auch weil du diese Person später (be-)schreiben musst. Glaub mir. Du wirst solang keinen Post schreiben können, bis der Charakter, zumindest für dich, stimmig ist. Also lieber den leichten Weg gehen und ein paar Punkte ändern. Lass dich beim Ändern jedoch nicht von der scheinbaren Masse der zu ändernden Dinge abschrecken. Jeder Punkt in der Charaktererstellung bedingt einen anderen und meist sind es nur kleine Formulierungen, die sich ändern müssen.
 
Die Überarbeitung des Steckbriefs ist keine leichte Aufgabe. Sie ist genauso Arbeit, wie die Erstellung der Hintergrundgeschichte oder all der anderen Punkte, über die du dir vorher Gedanken gemacht hast. Demnach sollte sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden! Lieber gönnst du dir zwischendrin eine längere Pause (~ einen Tag) und arbeitest dann mit freiem Kopf daran, als dass dir nach RPG-Beginn noch immer Fehler und Ungereimtheiten auffallen. Denn nach RPG-Start wird ein ständiges Ändern des Charakters irgendwann nur noch nervig. Für jeden.
 

Schlusswort

Nachdem die beiden Monsteraufgaben nun erledigt sind, kannst du dir auf die Schulter klopfen und sagen: „Ich habe es geschafft!“ Alles, was dein Charakter benötigt, ist nun in Stein gemeißelt. Er ist fertig. Okay, der Name fehlt noch. Aber das ist doch ein Klacks, im Vergleich zur bisherigen Arbeit!
Also: Herzlichen Glückwunsch zu deinem persönlichen RPG Charakter.
Schon einmal vorab 🙂
Und weil wir Mr. oder Mrs. Namenlos jetzt erst einmal zur Genüge würdigen wollen, machen wir an dieser Stelle Schluss mit dem Blogeintrag. Nicht, dass noch vorgegriffen wird.
 
In dem Sinne.
Grüße,
ich