Wie darf ich dich denn ansprechen?

Namen
 
Halli, hallo, hallöchen, lieber User.
 
Schön, dass du dich beim eigentlich letzten Beitrag zum Projekt „Wie erstellt man einen RPG-tauglichen Charakter?“ eingefunden hast. Heute erhält der erstellte Charakter seinen Namen und damit wird er bereit sein, auf die Welt los gelassen zu werden.
Fragst du dich nun, weswegen oben „eigentlich letzter Beitrag“ steht? Ganz einfach: Mit der Namensgebung endet die eigentliche Charaktererstellung. Die erdachte Person wird fertig sein. Die weiteren Beiträge zu diesem Thema sind nur noch Anhängsel. Sie können beachtet werden, müssen es aber nicht.
Aber zurück zum Thema. Viel Spaß mit der Benennung des Charakters! 🙂
 

1. Allgemein

Bei der Namensgebung sind Zeitalter und Ort des RPGs von besonderer Bedeutung. Oder besser gesagt das Zeitalter des RPGs und der Herkunftsort des Charakters.
Nimmt man z.B. die heutige Zeit, sind Personen mit Namen, die nicht dem bespielten Land entspringen, alles andere, als selten. Globalisierung und Mulikulti-Trend seien gedankt. Doch das ändert sich, wenn man die Epoche ändert. Wie sieht es beispielsweise in der Renaissance aus? Dem Mittelalter? Oder vor der Entdeckung Amerikas? Transportmittel waren in unterschiedlichen Maßen vorhanden und damit kam man auch langsamer voran. Oder gar nicht, wenn man Inselbewohner war und von Schiffen noch nie etwas gesehen hatte. Heißt: Es war in manchen Zeiträumen und an manchen Orten sehr schwer, bis unmöglich, in ein anderes Land zu gelangen. Also wird es eine Mischung der Herkunft genauso selten gegeben haben, wie diverse ‚ausländische‘ Namen. (Renaissance ist hier übrigens nur ein Beispiel für eine andere Epoche, nicht für erschwerte Transportmittel 😀 )
 
Eine weitere Unterscheidung ist im RPG-Genre zu treffen. Befindest du dich in einem RPG, das nicht einmal den kleinsten Fantasy-Anteil hat, dann solltest du dich lieber an den geschichtlichen Epochen und deren Namen orientieren. Alternativ an Namen mit Bedeutungen. Ist Fantasy ein fester Bestandteil, bist du freier in der Namenswahl. Sie sind nicht mehr so stark an geschichtliche Hintergründe gebunden. Das bedeutet mehr Freiraum und lässt Platz für selbst erfundene Benennungen.
 
Darüber hinaus bin ich persönlich eine Vertreterin von „so wenig gängige Namen, wie möglich“. Man kann Namen aus dem echten Leben ganz einfach abändern und schon hat man nicht mehr diesen Einheitsbrei von Hans, Kevin oder den Nachnamen Maier und Müller. Es gibt in der direkten Umwelt genug Leute mit solchen Namen. Warum also in ein RPG verschleppen?
Diese Einstellung spiegelt sich auch sehr in meinen folgenden Ausführungen zur Namensfindung wider. Solltest du eher an ‚beliebten‘ Namen interessiert sein, so wirst du hier nicht fündig werden. Dann sei dir einfach mal deine Suchmaschine des Vertrauens ans Herz gelegt.
 

2. Vornamen

Vom Mittelalter bis heute – Epochenbezogene Namen
Sollte man sich dafür entscheiden, den Charakter nach dem „Trend“ der RPG-Zeit zu benennen, sollte man im Hinterkopf behalten, dass sich dieser Trend von Land zu Land unterschiedlich entwickelt hat. Wahrscheinlich könnte man Gemeinsamkeiten finden, wenn man sich damit beschäftigen würde. Allerdings ist mein Vorrat an geschichtlich benannten Charakteren so gering, dass ich mich in diesem Bereich kaum auskenne.
 
Meine Recherche hat jedoch einen sehr spannenden Beitrag, zu der Namensentwicklung in (Vor-)Deutschland, ans Tageslicht gebracht. Daran möchte ich dir zumindest die Geschichte deutscher Vornamen näher bringen.
 
800 n. Chr.: Volk der Germanen
Glaubten daran, dass die Namen Einfluss auf die Person haben. Gaben den Kindern einen Namen, der aus zwei Worten bestand, die zu den Themen Natur, Gewalt oder Krieg gehörten. Z.B. Brun (Brustpanzer) Hild (Held) – Brunhild = Heldin im Brustpanzer (für weibliche Personen) oder Adal (Edel) Fried (Beschützer) – Adalfried = Edler Beschützer (für Männer)
Nicht zu verwechseln mit den Römern, deren Namen nur aus der Eigenschaft entsprang, die die Person jedoch am Stärksten ausmachte. (Claudia = Die Hinkende)
Ab 4. Jahrhundert: Christentum verbreitet sich
Ab 11. Jahrhundert: Germanen und deren Götter sind durch den Glauben an einen Gott ersetzt
Namen werden nun nach biblischem Vorbild geprägt. Z.B. Martha und Maria auf der weiblichen Seite/Aaron und David bei den Männern. Im Verlauf des Mittelalters wird es sogar Pflicht, das eigene Kind nach Heiligen zu benennen. Der Glaube an einen extra Schutz durch diese Namensgebung wächst.
15. Jahrhundert: Martin Luther spaltet die Kirche und damit auch den Trend der Namensgebung
Katholische Seite: Kinder werden weiterhin nach biblischem Vorbild benannt und bekommen vermehrt Zweit- und Drittnamen
Protestantische Seite: Kinder bekommen sowohl biblische Namen, als auch germanische. Außerdem werden Namen aus mehreren Worten zusammen gesetzt. Beispiel für solche Wortschöpfungen: Sieg + Friede = Siegfried, Bring + Friede = Bringfriede
Aufklärungszeitalter, Neuzeit, Renaissance: Individuelle Lebensweise wird immer wichtiger & Frankreich wird von allen bewundert
Kinder werden nach eigenen Vorstellungen benannt. Außerdem werden Namen der antiken Griechen und Römer beliebter. Bsp. Cicero (Junge), Felicitas (Mädchen). Frankreich wird im Lauf der Zeit ebenfalls zum Namensvorbild, z.B. Henrie oder Henriette.
Ab 17. Jahrhundert: 
Namen orientieren sich an wichtigen Ereignissen. So bringt die Erscheinung von Shakespeares Romanen britisch geprägte Vornamen nach Deutschland. Aber auch Königs- und Kaisernamen, wie Friedrich und Wilhelm, verbreiten sich immer mehr.
Zeitraum des Nationalsozialismus: 
Deutsche Kinder dürfen keine Namen erhalten, die nicht deutsch klingen. Im Vergleich dazu, dürfen jüdische Kinder, die in Deutschland leben, keinen deutschen Namen bekommen.
Während der Teilung Deutschlands: 
Leute aus Westdeutschland reisen nach Italien, Spanien, … und schnappen dort neue Namen auf. Auch ist es ihnen möglich, Filme aus der ganzen Welt zu sehen. Nicole und Marco sind beliebte westdeutsche Namen.
Ostdeutschland versucht sich irgendwie am Westen zu orientieren. Daraus entstehen eher westlich klingende Namen, wie Mandy und Sindy.
Nach der Teilung bis heute:
Im Lauf der Zeit gewinnt die Individualität wieder an Bedeutung. Es gibt kaum noch Namen mit germanischem Ursprung und auch sonst will mittlerweile jeder seine Kinder auf die schrägste eigene Art benennen.
 
Wer sich den Beitrag übrigens ganz ansehen möchte, hier ist er zu finden: http://www.beliebte-vornamen.de/251-geschichte.htm
 
Namen mit Bedeutung
Bereits in der Geschichte der deutschen Namen gab es Epochen, in denen Namen mit Bedeutungen genutzt wurden. Dies sind Namen, die z.B. verschiedene Eigenschaften des Charakters in sich vereinen. Man kann hier sogar noch einen Schritt weiter gehen und sich seine eigenen tiefgründigen Namen zusammen zimmern. Sogar in der Herkunftssprache des Charakters! Dabei gehst du folgendermaßen vor:
 
1. Suche dir eine Sprache aus, die zu deinem Charakter passt.
2. Nimm dir eine Online-Suchmaschine zur Hand und suche nach Eigenschaften in der gewählten Sprache mit Übersetzung ins Deutsche.
3. Entscheide dich für maximal 2 Eigenschaften, die zu deinem Charakter passen und schreibe dir diese in ihrer Originalsprache auf.
4. Versuche nun, die beiden nun in ein Wort zu packen, so dass es sich für dich sinnvoll anhört.
 
Hast du nur eine Eigenschaft ausgesucht, fällt der 4. Schritt natürlich weg. Außerdem kannst du anstatt Eigenschaften auch nach irgendwelchen Hobbies/Vorlieben oder sonstigen Worten suchen, die zu deinem Charakter passen. Aus diesem Grund wird auch die Namensgebung erst ganz zum Schluss vollzogen. Immerhin ist ja schon fest gelegt, was zu der Person passt und was nicht 🙂
 
Wenn man sich das erste Mal an einen eigenen Namen mit Bedeutung wagt, kann manches sehr schräg klingen. Das liegt einfach daran, dass hier aktiv mit fremden Sprachen gearbeitet wird, um den Charakter glaubwürdiger zu gestalten. Sollte dir der entstandene Name jedoch nicht zusagen, versuche ihn doch mal etwas abzuändern. Sieh dich, für weitere Tipps dazu, einfach im Bereich der Eigenkreationen um.
 
„Eigenkreationen“
Mit eigenen Namen sind nicht nur jene gemeint, bei denen man einfach wild Buchstaben aneinander reiht und sich dabei überraschen lässt, was heraus kommt. In gewisser Weise sind alle Namen, die in irgendeiner Weise abgeändert werden, Eigenkreationen. Deswegen auch die Anführungszeichen in der Überschrift. Es geht hier hauptsächlich darum, sich eine Benennung für seinen Charakter auszudenken, die einem selbst zusagt. Und sei es nur durch einen vertauschten Buchstaben.
 
Generell kann man eigene Namen in verschiedene Grade einteilen:
 
1. Gängiger Name mit vertauschten Buchstaben; z.B. wird aus Anna Arianna
2. Name einer anderen Sprache mit vertauschten Buchstaben; z.B. wird aus Mary wird Lory
3. Komplett erdachter Name
 
„Vertauschte Buchstaben“ steht hier sowohl für einzelne Zeichen, die einfach geändert werden (a wird zu u), als auch für Zeichen, die entweder ganz heraus genommen oder durch mehrere Buchstaben ersetzt werden (i wird zu en). Es ist auch möglich, einfach Buchstaben an den Namen zu hängen, um ein neues Wort zu kreieren (Anna – Arianna).
 
Beim Austausch von Buchstaben stehen dir alle Symbole deiner Tastatur zur Verfügung. Allerdings sei erwähnt, dass ~*# etc. und Zahlen sinnlos bei der Namensgebung sind. Das macht dann mehr den Eindruck von einem Online-Game. Aber das ist ja nicht das RPG, womit wir uns hier beschäftigen 😉
Darüber hinaus ist anzumerken, dass besonders komplett erdachte Namen und Namen mit é,ô, … eher in die Fantasy Sparte gehören! Außer du schaffst es, dir einen halbwegs ’normal‘ klingenden Namen selbst zu bauen. Dann verdienst du Respekt!
 

3. Nachnamen

Auch bei den Familiennamen lassen sich Bedeutungsnamen und Eigenkreationen erschaffen. Dabei gelten die gleichen Regeln, wie sie schon bei den Vornamen zu finden waren. Abgesehen davon gibt es noch ein paar andere Möglichkeiten, um an einen Nachnamen zu kommen. Je nach Zeitalter sind einige auch verbreiteter als andere.
 
• Der Nachname kann den Beruf beinhalten, z.B. Brewer/Brauer für einen Bierbrauer (wird besonders im Mittelaltersetting benötigt)
• Der Nachname kann das Aussehen des Charakters beschreiben, z.B. Braun (vielleicht die Haarfarbe) oder Lang
• Der Nachname kann Hinweis auf den Geburtsort geben (Name des Ortes oder Lage z.B. am Fluss), z.B. Flüsslein oder Berg
• Der Nachname kann Hinweis auf Adel beinhalten (meist mit von und zu im Deutschen)
• Seltener gibt es auch die Möglichkeit, den Vornamen des Vaters bzw. den der Mutter als Nachname zu wählen
 
Suchst du dir einen Nachnamen nach diesen fünf Punkten aus, werden sie direkt etwas über den Charakter aussagen. Denkst du dir einen eigenen Nachnamen aus, wird das nicht zwingend der Fall sein. Außer die Bedeutungen des Namens sind offensichtlich. Du solltest dir mittlerweile im Klaren darüber sein, wie dein Charakter auf andere Charaktere wirken wird und was er nach außen trägt. Ist er z.B. jemand, den man liest, wie ein Buch, dann könnte er einen direkten Nachnamen haben. Ist er eher geheimnisvoll, dann wäre ein erfundener oder sehr komplizierter Nachname passender.
Allerdings ist das keine Pflicht. Beim Nachnamen kannst du eigentlich tun und lassen, was du magst und wie es dir passt. Wenn dein Charakter nicht gerade adlig ist, stehen dir hier alle Möglichkeiten frei.

 

Schlusswort

Einen Charakternamen zu finden ist teilweise wie ein Würfelspiel. Beim ersten Mal würfeln wird ein vorhandener Buchstabe bestimmt und beim zweiten Mal der, der den Ersten ersetzt. Außer man denkt sich gleich eigene Namen aus.
 
Alles in Allem können wir nun stolz auf unsere Leistung sein. Charakter lebt, atmet vielleicht nicht, aber ist überlebensfähig. Und man kann ihn endlich ansprechen! Wenn das keine Meisterleistung ist! Jetzt wird er ins kalte Wasser geschubst und muss sich mit den Charas der Mitspieler herumärgern. Das wird bestimmt ein Spaß!
Also auf, auf zu neuen Abenteuern 🙂
 
In dem Sinne.
Grüße,
ich