Schreiben im Wahn des Perfektionismus

Perfektionismus

 

Hallöchen lieber User.

 

Heute gibt es ein paar Gedanken von mir. Ich garantiere für keine logische und durchdachte Reihenfolge. Zusammengefasst wird es darum gehen, wie ich meine Einstellung zum Bloggen und RPGn mit meinem (leider sehr stark ausgeprägten) Perfektionismus vereinbaren möchte und was ich dafür ändern muss. In dem Sinne wird es wohl eher eine Selbstreflexion mit viel allgemeinem Blabla. Mal sehen, was so dabei raus kommen wird 🙂

 

Ich bin gespannt. Du auch? 🙂

 

Wie es begann… 

Wahrscheinlich hätte ich über dieses Thema gar nicht wirklich nachgedacht, wenn es nicht wieder so weit wäre, dass sich meine beheimatete RPG-Plattform selbst ins Aus schießen würde. Doch leider steuert genau diese Seite momentan mit großen Schritten auf den Abgrund zu. Leider habe ich das zu oft erlebt, als dass es nicht offensichtlich wäre. Allerdings bin ich es diesmal wirklich Leid, mir einen Ersatz suchen zu müssen. Zumal es mittlerweile überall Regeln gibt, die besagen, dass man X mal die Woche etwas schreiben soll. Was bei meiner Motivation momentan zu einem Kick führen würde, bevor ich einen Post gesetzt habe. Also baue ich nun seit Tagen meine eigene RPG-Seite auf, auf die ich, wenn es hart auf hart kommt, mit meinen PPs auswandern kann. 

 

Wie ich so an dieser Seite gebastelt habe, fragte ich mich immer wieder, warum ich diese ganze Arbeit eigentlich auf mich nehme. Ich schlag mich ja offenbar aus irgendeiner Motivation heraus mit Dingen herum, die mich beim bloßen Gedanken schon nerven. Darüber hinaus werde ich auch mit dieser Seite sicherlich nicht mehr schreiben, als bisher. Was wirklich kaum nennenswert ist. Also warum das Ganze? 

 

Wahrscheinlich macht es mir ja doch irgendwie Spaß. 

 

Mein größtes Problem ist wohl nicht einmal meine Motivation, etwas zu schreiben. Ich schätze, ich steh mir einfach, mit meinen Erwartungen an mich, selbst im Weg. Wie ich den Blog reaktiviert habe, ist mir erst richtig bewusst geworden, was ich bisher geleistet habe. 1000+ Wörter in einem Beitrag? Kleinkram. Inhalte, die die Welt von Grund auf erklären? Bis zum Abwinken. Jeder versteht es? Wahrscheinlich sogar jeder, der es lesen kann. Egal in welchem Alter. Ich leiste etwas und das sehr penibel und kleinlich. Einfach weil ich weiß, dass ich es kann und es offenbar auch der Welt zeigen möchte. Dabei fühle ich mich gar nicht so, wie dieser Satz gerade klingt – wie die Elite. Ernsthaft. Tu ich wirklich nicht.

 

Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Ich beweise mir stetig, dass ich es kann. 

Hallöchen Perfektionismus. Wie geht es dir, mein Hassfreund? 

 

Und schon haben wir die Blockade gefunden. Ja, das Schreiben macht mir Spaß. Genauso wie das Gestreite mit meinen X Charakteren. Aber wie es geschrieben steht, soll perfekt sein. Dabei regen mich schon die kleinsten Rechtschreibfehlerchen auf, die ich fabriziert habe. Was mir meist erst vieeeeel zu spät auffällt. Ärger vorprogrammiert.

Das selbe Phänomen habe ich auch mit dem Blog erlebt: Alles war haarklein durchgeplant und perfektioniert. Dann kam der Crash und alle Planung etc. war futsch. Warum? Weil mir ein leichtsinniger Fehler unterlaufen ist und ich Held natürlich alle geplanten Inhalte in der WP Software hatte. Geil. Ergo noch mehr Ärger über mich selbst.

 

Also vermeide ich das Schreiben und Bloggen. Ganz simple Psychologie: „Du schaffst es ja sowieso nicht, dich zufrieden zu stellen. Also lass es doch einfach.“ Klar, der einfache Weg ist der Sicherste. Steine sind nur unnötige Aufreger, die einem das Hobby vermiesen. Mehr ist es ja sowieso nicht. Warum also viel Energie darauf verwenden, die man vielleicht fürs Studium brauchen könnte? Das sowieso Unmengen davon verschlingt.

 

 

Hier lege ich mal kurz ein Geständnis ab (meine Dozenten wären jetzt stolz auf mich): Ich schreibe diese Gedanken gerade eher so, als würde ich einen Post einer meiner Charaktere verfassen. Ich blicke auf mich also von der „Meta-Ebene“ herab. Beobachte mich so, als wäre ich nicht ich. Klingt verrückt, ich weiß. Aber das hilft mir gerade wirklich, die passenden Worte zu finden.

 

Jetzt weiß ich also, woran ich mich selbst aufhänge. Doch wie kann ich das jetzt fürs Schreiben und Bloggen nutzen?

Wie ich so über die Beantwortung nachgedacht habe, fiel mir auf, dass meine eigene Ansicht zum Bloggen vollkommen merkwürdig ist: „Eigenes ist total unwichtig. Wichtig ist Neutralität, Information und Wissensweitergabe.“ Klingt nicht wie ein Blog. Mehr wie eine Zeitung oder ein Bericht im TV. Also mehr Persönlichkeit statt Perfektionismus. Fängt mit diesem Beitrag ja schonmal gut an, oder? 😀

Beim Schreiben generell wird die vermeintliche „Lösung“ schon schwerer. Und nein, ich kann meinen Perfektionismus nicht von jetzt auf gleich einfach ausschalten und jeden Fehler ignorieren, der mir unterläuft. Es wird wohl noch etwas Zeit zum Nachdenken nötig sein, um hier etwas zu finden, was ich ändern kann. Immerhin bin ich der Lösung schon allein dadurch einen Schritt näher gekommen, dass ich den Übeltäter identifiziert habe. Besser als gar nix! Ich bleibe jedoch am Ball. Versprochen. Vielleicht teile ich mich ja irgendwann mit, wenn ich mehr herausgefunden habe. Vielleicht 😉

 

Jetzt sind meine Gedanken aus dem Kopf geschrieben und ich bin erleichterter. Zeit, neues anzugehen 😀 Bis bald!

 

In dem Sinne.

Grüße,

ich 🙂

Nicht jedes Glitzern ist ein Klischee

Klischee
 
Hallöchen, lieber User. 
 
Schön, dass du dich zu Teil 9 des Projekts „Wie erstelle ich einen RPG-tauglichen Charakter?“ eingefunden hast. Dieser Teil ist ein kleiner Exkurs in die Welt der Klischees und Stereotypen. Der billigen 0815-Charaktere, wie sie überall dort zu finden sind, wo das Niveau eine Handcreme ist. Allerdings behaupte ich, dass es keinen Charakter gibt, der nicht mindestens ein Klischee in sich vereint. Du glaubst mir nicht? Dann lies doch einfach weiter 😉
 

1. Was ist ein „Klischee“?

Wenn man „Klischee“ hört, verdreht man unweigerlich die Augen. Allein das Wort „Klischee“ an sich ist also schon mit schlechten Erfahrungen/Meinungen/… behaftet. Doch weswegen? Betrachten wir doch einfach mal die „Arten“ von Klischees:
 
• Nicht gelungene Kopie/Abklatsch einer Vorlage
• Eingefahrene Meinung und Vorurteil
• Stereotyp
• „Viel Text ohne Inhalt“ bzw. „Leeres Gerede“
 
Jede Form des Klischees beeinflusst eine andere. Man wird also nie frei von einem Klischee sein.
 
Klischee als nicht gelungene Kopie/billiger Abklatsch einer Vorlage
Leider neigen besonders Charaktere, die auf Grundlage bereits vorhandener Serien entstehen, dazu, zu einem Klischee zu werden. Vielleicht sieht der Steckbrief noch „perfekt“ aus. Doch spätestens im Posting entpuppt sich der Charakter als flach und nicht annähernd so dargestellt, wie er in der Serie zu sehen/zu hören/… ist. Dabei liegt das weniger an der Schreibfähigkeit des Spielers, als an der Tatsache, dass man Vorlagen nicht 1:1 wiedergeben kann. Der Schreiber lässt den Charakter so agieren, wie er meint, dass das Original handeln würde. Das gefällt seinem Mitspieler dann wiederum nicht, weil er eine ganz andere Meinung von dem Charakter hat und stempelt den Charakter des PPs als billigen Abklatsch ab. Daraus entsteht auf beiden Seiten Unmut. 
 
In diese Kategorie gehören auch Charaktere, die man schon 1000 Mal gesehen hat. Oder man meint, sie 1000 Mal gesehen zu haben. Alle scheinen die gleichen Eigenschaften zu haben und sich identisch zu verhalten. Dabei wird der 1000. Charakter noch schlechter dargestellt, als seine Vorgänger. Böse ist, wer hier nach Vorurteilen schreit. 
BÄM perfekter Übergang!
 
Klischee als eingefahrene Meinung und Vorurteil
Jeder kennt sie, jeder hat sie. Seine eigenen kleinen Vorurteile. Manche sind gut gehütet und werden niemals überdacht und manche finden ihren Weg in die Freiheit. Es ist schwer, einen Charakter zu erstellen, der nicht bei mindestens einem PP eine vorgefertigte Meinung hervor ruft.
 
Beispiel: „Killy“ kämpft sich durch das Leben, indem er andere bestielt. 
Wer hat zu diesem Satz nicht direkt ein Bild von einem Charakter im Kopf? Wer beschränkt sein Bild nur auf diesen einen Satz? Ich wage zu behaupten, dass das kaum einer tut. Fakt ist, dass allein die Tatsache, dass Killy stiehlt, verschiedenste Meinungen in den Menschen hervorruft. Von Sozialschmarotzer, über Krimineller, bis hin zu Abschaum werden alle möglichen Vorurteile erscheinen. Erst, wenn man offen für weitere Informationen über den Charakter ist, wird man dieses Vorurteil überwinden können. Oder auch nicht, wenn die weiteren Punkte die eigene Befürchtung bestätigen.
 
Klischee als Stereotyp
Stereotypen sind Eigenschaften, die gewissen Gruppen zugeschrieben werden. Also eine Frau kann nur …, ein Mann kann nur …, blonde Frauen sind dumm, usw. Diese Art der Klischees verschwimmt meist mit den Vorurteilen und ist schwer davon abzugrenzen.
 
Stereotypes Verhalten dagegen beschreibt Verhalten, das ‚typisch‘ männlich oder ‚typisch‘ weiblich ist. Hier gibt es klare Unterscheidungen, was eine Frau tut und was nicht. Das Gleiche auch für den Mann. „Das ist nicht damenhaft“ entspringt übrigens der stereotypen Sichtweise davon, wie sich eine Frau zu verhalten hat. 
 
Klischee als „viel Text ohne Inhalt“ bzw. „Leeres Gerede“
Ich schätze, dass bei meinen bisherigen Beiträgen sicherlich das ein oder andere „Blabla“ dabei war. Keiner schreibt nur das, was wichtig und nützlich ist. Vieles wird dazu geschrieben, weil man der Meinung ist, man müsste nochmal und nochmal und nochmal erklären, worauf man hinaus will. Allerdings gibt es auch Texte, bei denen man sich regelmäßig denkt: „Was soll ich damit jetzt anfangen?“ Dabei liegt hier das Problem weniger an mangelnder Rechtschreibung, als an der Tatsache, dass der Schreiber einfach nicht „auf den Punkt kommt“. Da werden Floskeln aneinander gereiht, vielleicht noch ein oder zwei Gedanken des Charakters und das war es dann auch schon. Weiterhin wird die Umgebung beschrieben. Wieder. Und wieder. Und wieder. 
 
Du merkst also, dass ich hier schon so meine Erfahrungen gemacht habe und damit nicht mehr ganz vorurteilsfrei schreiben kann. Was die Annahme bestätigt, dass sich alle Arten von Klischees aufeinander beziehen 😉
 

2. Wie geht man mit Klischees um? 

Am aller wichtigsten ist es, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass man immer von Klischees umgeben ist. Selbst in Redewendungen sind Vorurteile oder Stereotypen vorhanden. Es ist etwas, das man nicht von sich weisen kann. Niemand kann sich darüber erheben und behaupten, dass er „ohne Klischees“ wäre. Das würde unter Anderem auch voraus setzen, dass er nie leere Worte von sich geben würde. Genauso ist es mit den RPG-Charakteren. Kein Charakter ist klischeelos. Bei manchen sind zwar offensichtlichere Klischees eingebaut (z.B. stereotype Verhaltensweisen), aber das muss nicht sein. Ein Charakter hat seine eigene Meinung, er hat seine Vorurteile und er hat sicher auch hier und da Momente, in denen er nicht der perfekte Redner ist. Das alles macht ihn in verschiedenster Art zu einem ‚klischeehaften‘ Charakter.
 
Wir haben jedoch festgestellt, dass Klischees eher mit schlechten Erfahrungen behaftet sind. Wie kann man das jetzt vereinen?
 
Die Antwort wird nicht jedem gefallen: Man muss sich an seiner eigenen Nase fassen und seine „Vorurteile“ zu den Klischees überdenken. Denn negative Erfahrungen bestärken nur die eingefahrene Meinung, dass ein Klischee falsch ist. Dabei ist „Klischee“ nur ein Wort. Erst die Erfahrungen machen aus diesem Wort eine verpönte und nie gewollte Eigenschaft.
 
Wie wäre es also, mit ein paar Denkanstößen?
 
• Hast du diesen Charakter wirklich schon 100 Mal gesehen? Findest du Eigenschaften, die sich unterscheiden?
• Kannst du deinem PP nicht einfach sagen, dass deine Sicht von dem vorgefertigten Charakter XY anders ist, als er ihn darstellt?
• Kannst du den vorgefertigten Charakter deines PP trotz der Unterschiede zum Original lieben lernen?
• Ein Vorurteil schleicht sich in deine Gedanken. Wie wäre es, dem Charakter trotzdem die Chance zu geben, ihn näher kennen zu lernen?
• Blond, blauäugig und blöd? Wenn du mit den Augen rollst, dann schau dir den Steckbrief nochmal an. Gibt es Punkte, die du trotzdem magst?
• Kann das ’sinnlose Blabla‘ in einem Post irgendwie gegen den betreffenden Charakter gewendet werden? (Jah, hier bin ich gern mal böse <D Es reicht ja auch schon ein sarkastischer Kommentar von einem anderen Charaker)
 

Schlusswort

Klischees haben meistens einen ekelhaften Beigeschmack. Sie werden überstrapaziert oder einfach falsch eingesetzt. Dabei steckt selten böser Wille dahinter. Doch das falsche Nutzen von Klischees bestätigt auf anderen Seiten wieder Vorurteile und ein endloser Kreislauf an Abneigung entsteht. Hier muss jeder seine Meinung hinterfragen und herausfinden, ob er seine Sorge, wieder ein RPG in der Klischeehölle versinken zu sehen, irgendwie schwächen kann. Denn man steht sich immer selbst im Weg. Sich mit seinen PPs darüber auszutauschen kann helfen und wer weis? Vielleicht trauen sich dann mehr ‚klischeehafte‘ Charaktere in das RPG.
Denn:
Klischees können auch gewollt eingebaut worden sein, um dem Charakter ein wenig Pfiff zu verleihen.
 
In dem Sinne.
Grüße,
ich

Zeigt her Euren Lebenslauf

Leben
 
Hallöchen, lieber User.
Mit diesem Beitrag bewegen wir uns auf das Finale des Projekts „Wie erstellt man einen RPG-tauglichen Charakter?“ zu. Heute wird besagter Charakter seine Vergangenheit verpasst bekommen. Wie ist er aufgewachsen? Was hat er bisher erlebt? Was hat er gelernt? Dies und vieles mehr wirst du hier finden. Schönes lesen 🙂
 

1. Hintergrund warum?

Vielleicht stellt sich dir genau diese Frage, wenn du liest, dass du dir auch noch eine Vergangenheit des Charakters ausdenken zu musst. Immerhin könnte man die Person bereits als fertig betiteln. Schreiben kann man auf Grundlage der bisher festgelegten Punkte auch. Also warum sich noch die Mühe machen und einen Lebenslauf erstellen?
 
Dafür gibt es viele Gründe. Hier ein paar davon:
• Mitspieler können sich besser in die beschriebene Person hinein versetzen.
• Wie der Charakter handelt, wird immer auch von seiner Vergangenheit beeinflusst.
• Bestimmte Charaktermerkmale/Vorlieben/… können dadurch erklärt werden.
• Du kannst als Schreiber z.B. auch Flashbacks aus seinem Leben in die Postings einbauen.
• Hintergrundgeschichten machen neugierig. Man will den Charakter so kennen lernen, wie er jetzt ist.
• In Vergangenheitsgeschichten sind wichtige Ereignisse im Leben der Person vermerkt. Man muss sich also nicht alles merken.
• usw.
 
Vieles dient also der Hilfe beim Posten oder beim Verstehen eines Posts zum betreffenden Charakter. Oder beim Verstehen, wie der Charakter geworden ist, wie er momentan dargestellt wird. Außerdem kann die Vergangenheit auch amüsant gestaltet werden, wenn der Charakter das zu lässt. Nicht, dass Spaß ein Anreiz für die Erstellung einer Hintergrundgeschichte ist. Wobei? Doch 🙂
 

2. Inhalt der Vergangenheitsbeschreibung

Generell kann man sich die Geschichte des Charakters wie eine Art Lebenslauf vorstellen. Man beginnt im (Klein-)Kindesalter und arbeitet sich anhand verschiedener Erlebnisse, Ereignisse, etc. durch das vergangene Leben der Person. Dann fügt man evtl. noch ein paar Ideale ein und schon hat man eine fertige Lebensgeschichte. Das klingt jetzt sehr einfach, ist aber etwas mehr Arbeit.
 
Im Folgenden werde ich keine Altersangaben machen. Ich verwende die Benennungen, wie ich sie bereits im ersten Projektteil definiert habe.
 
Kindheit
Jedes Leben beginnt mit der Geburt, dem Säuglings- und Kleinkindalter. Da sich eine Person jedoch selten an seine ersten Jahre erinnern kann, beginnt der Lebenslauf meist erst im Kindesalter. Generell sind hier die Familienverhältnisse zu klären. Also wie groß war die Familie? Wie bekannt/reicht (wenn es für den Charakter relevant ist)? Wurde der Charakter eher verhätschelt oder war er der Außenseiter? War er evtl. Waise? Adoptiert?
Darauf bauen sich dann grundlegende Dinge auf, die das Kind erlernt hat. Bei einer großen Familie könnte es z.B. gelernt haben, sich durchzusetzen oder einfach immer ruhig zu sein. Solche Verweise auf die Persönlichkeit des Charakters verhelfen wieder zum „Aha!“-Effekt und schon wirkt die Person nicht mehr so mysteriös.
Darüber hinaus kann man hier auch Kindheitsträume offen legen, sofern sie für den Charakter im „Jetzt“ noch wichtig sind.
 

Der Charakter entwickelt sich

Kindliche Ideale und Interessen verändern sich, der Charakter wächst heran. Genau das soll im weiteren Verlauf der Beschreibung deutlich werden. Du wirst nicht jedes Lebensjahr genau darstellen müssen. Es reicht, sich auf wichtige Veränderungen zu beschränken. Oder auf Gegebenheiten, die sich über lange Zeit hindurch gezogen haben. Allerdings sollte so viel wie möglich von dem auftauchen, durch das das Leben des Charakters beeinflusst wurde. Sowohl im positiven, als auch im negativen Sinn. Nicht jeder hatte eine heile Vergangenheit.
 
Es ist mir bewusst, dass es wie ein Widerspruch klingt. Zuerst nur das Nötigste und dann alles? „Das Nötigste“ bezieht sich in dem Fall eher darauf, dass der Lebenslauf nicht mit Sinnlosigkeiten gefüllt wird. „Alles“ dagegen auf die wichtigen Dinge, die den Charakter wirklich begleitet haben.
 

Prägende Erlebnisse/Ereignisse

In jedem Leben gibt es Ereignisse, die dem Charakter entweder so zusetzen, dass er sie nie wieder vergisst oder die ihn ‚zu einem besseren Wesen‘ machen. Es sind die Todesfälle geliebter Personen, gewalttätige Eltern/Freunde oder Kriege auf der negativen Seite. Dagegen halten die erste Liebe, Abschlüsse mit exzellenten Noten und die Herzlichkeit der Mutter die Waage. Diese Erfahrungen sind es, die ein Leben dauerhaft verändern. In wie weit, bleibt deine Entscheidung. Wichtig ist aber, dass es Erlebnisse sind, die den Charakter möglicherweise noch bis zum „Jetzt“ beschäftigen oder an die er sich immer wieder gern erinnert. Demnach dürfen es nicht zu viele sein. Zu viele würden sie ihren Wert verlieren und einfach nur zu der einfachen Charakterentwicklung degradiert werden.
 

Blick in die Zukunft

Dein Charakter hat noch immer große Träume? Oder Ziele, die er erreichen möchte? Will er einfach nur diese lästige Raucherei los werden?
Alles, was die Person in ihrem Leben noch erreichen will, gehört hier hinein. Zugegeben, diese Kategorie ist in VERGANGENHEITSbeschreibungen eher selten zu finden. Dennoch halte ich sie, je nach Charakter, für wichtig. Wenn es sich z.B. um eine Person handelt, die ihr ganzes Leben streng durchgeplant und alles daran ausgerichtet hat. Oder um jemanden, der sich schon lang mit seinen schlechten Angewohnheiten herum geplagt hat bzw. schon länger versucht, sie sich abzugewöhnen. Besonders für das zweite Beispiel bietet sich ein Blick in die Zukunft an. Der Charakter wird seine Versuche nicht plötzlich beenden, weil das RPG beginnt. Es ist eine Aufgabe, die ihn weiterhin verfolgen und die definitiv auch seine Postings beeinflussen wird. Also kann man seine Mitspieler doch schon dezent vorwarnen, oder? 🙂
 

3. Anpassung des restlichen Steckbriefs

Manchmal gibt es während der Formulierung der Geschichte Momente, in denen man sich denkt: „Das würde besser passen. Aber dann passt xyz nicht mehr.“ Oder einem fällt auf, dass Punkte im Steckbrief auf einmal überflüssig geworden sind, weil sie schon vorher relevant waren und damit ihren Platz in der Vergangenheitsbeschreibung gefunden haben.
Dies sind die Momente, in denen der restliche Steckbrief abgeändert werden muss. Wenn es dir als Ersteller negativ auffällt, KANN es nämlich gar nicht passen. Nicht nur deswegen, weil du mittlerweile den „großen“ Plan deines Charakters im Kopf (und idealerweise auch irgendwo niedergeschrieben) hast, sondern auch weil du diese Person später (be-)schreiben musst. Glaub mir. Du wirst solang keinen Post schreiben können, bis der Charakter, zumindest für dich, stimmig ist. Also lieber den leichten Weg gehen und ein paar Punkte ändern. Lass dich beim Ändern jedoch nicht von der scheinbaren Masse der zu ändernden Dinge abschrecken. Jeder Punkt in der Charaktererstellung bedingt einen anderen und meist sind es nur kleine Formulierungen, die sich ändern müssen.
 
Die Überarbeitung des Steckbriefs ist keine leichte Aufgabe. Sie ist genauso Arbeit, wie die Erstellung der Hintergrundgeschichte oder all der anderen Punkte, über die du dir vorher Gedanken gemacht hast. Demnach sollte sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden! Lieber gönnst du dir zwischendrin eine längere Pause (~ einen Tag) und arbeitest dann mit freiem Kopf daran, als dass dir nach RPG-Beginn noch immer Fehler und Ungereimtheiten auffallen. Denn nach RPG-Start wird ein ständiges Ändern des Charakters irgendwann nur noch nervig. Für jeden.
 

Schlusswort

Nachdem die beiden Monsteraufgaben nun erledigt sind, kannst du dir auf die Schulter klopfen und sagen: „Ich habe es geschafft!“ Alles, was dein Charakter benötigt, ist nun in Stein gemeißelt. Er ist fertig. Okay, der Name fehlt noch. Aber das ist doch ein Klacks, im Vergleich zur bisherigen Arbeit!
Also: Herzlichen Glückwunsch zu deinem persönlichen RPG Charakter.
Schon einmal vorab 🙂
Und weil wir Mr. oder Mrs. Namenlos jetzt erst einmal zur Genüge würdigen wollen, machen wir an dieser Stelle Schluss mit dem Blogeintrag. Nicht, dass noch vorgegriffen wird.
 
In dem Sinne.
Grüße,
ich