Man kann gar nicht alles mögen!

Vorlieben
 
Hallöchen, lieber User.
 
Ich begrüße dich recht herzlich zum bereits sechsten Teil der Projektreihe „Wie erstellt man einen RPG-tauglichen Charakter“. Heute wird es bei Weitem keinen so langen Text geben, wie sie bei den letzten Beiträgen zu finden waren. Das gibt das Thema Vorlieben und Abneigungen einfach nicht her. Aber bilde dir deine eigene Meinung lieber selbst.
 

1. Allgemein

Das, was der Charakter mag oder nicht mag, wird beeinflusst von allem, was bisher so über ihn festgelegt wurde. Hat er Wesenszüge, die ihm besonders gut gefallen? Hasst er seine Schwächen? Oder nutzt er sie gezielt, um das Umfeld von ihm fern zu halten? Gefällt ihm seine Arbeit oder hat er sie nur ausgesucht, um überhaupt irgendwie an Geld zu kommen? Wie sieht es mit den Beziehungen zu seiner Familie und seinen Freunden aus? Sind sie eher Mittel zum Zweck oder liebt er sie über alles? Das alles wird die Auswahl der Vorlieben und Abneigungen beeinflussen.
Aber nur beeinflussen!
Du wirst dich nicht nur auf die bisherigen Punkte versteifen müssen. Aber mehr dazu unten.
 

2. Vorlieben

Vorlieben lassen sich ganz einfach erklären: Alles, was der Charakter mag, kommt hier hinein.
Dabei ist es unwichtig, ob es Dinge sind, die es wirklich gibt oder ob es irgendetwas frei erfundenes ist. Vielleicht ein imaginärer Freund? Auch Erinnerungsstücke können hier zu finden sein. Oder Lieblingsfarben. Der Fantasie sind überhaupt keine Grenzen gesetzt. Selbst in RPGs ohne Fantasy-Anteil ist so ziemlich alles möglich. Der Charakter kann auch richtig schräge Vorlieben haben. Oder Fetische. Je merkwürdiger, desto lustiger. Aber das aller Beste ist immer noch die Tatsache, dass die Vorlieben auch komplett aus dem bisherigen Schema der Charaktererstellung heraus fallen können. Vielleicht hat ein Prominenter ja heimlich einen Briefmarkensammelwahn. Oder eine Ärztin eine Vorliebe für Wahrsagerei.
Dies ist so ziemlich die einzige Kategorie der Erstellung, die komplett gegensätzlich zum erdachten Charakter sein kann. Aber es sollte nicht übertrieben werden. Je mehr schräge Vorlieben die Person aufweist, desto merkwürdiger wird sie auf die Anderen wirken. Für jemanden, der sehr auf den Umgang mit anderen Charakteren bedacht ist, ein nicht unbedeutendes Hindernis. Sollte diese Schrägheit jedoch gewünscht sein, dann tob dich aus! Spätestens wenn der Charakter öffentlich ist, wird er für einige Überraschungen bei deinen Mitspielern sorgen.
 

3. Abneigungen

Wenn Vorlieben all jene Dinge sind, die der Charakter mag, dann sind Abneigungen natürlich das Gegenteil. Alles, was er nicht leiden kann, wird hier zu finden sein. Auch hier kannst du deiner Fantasie freien Lauf lassen. Bestimmt wird sich zwar die ein oder andere Abneigung z.B. gegen seine Schwächen finden lassen, doch das muss bei Weitem nicht überwiegen.
 
Wichtig ist darauf zu achten, dass der geplante Charakter nicht „alles“ hasst. Er kann vielleicht Fußball nicht ausstehen. Doch das heißt nicht, dass er generell gegen Sport ist. Eine Person, die alles hasst, ist nämlich wie ein Charakter, der ‚perfekt‘ und ohne Schwächen ist: Schwer in das RPG einzubinden. Es wird einfach schwieriger, mit solchen Charakteren zu interagieren und besonders in größeren RPGs würden sich die Personen irgendwann einfach andere Charaktere zum gemeinsamen Schreiben suchen. Außerdem ist es sehr schwer, einen solchen Charakter stets so zu schreiben, dass er einfach nichts mag. Er hätte dann doch auch keinen Antrieb, irgendetwas zu tun, oder?
Jetzt wird mir sicher vorgeworfen, dass die typischen Bösewichte auch immer gegen alles sind. Da widerspreche ich vehement. Meist ist diesen Bösewichten in der Vergangenheit etwas so drastisches passiert (z.B. die Familie wurde vor deren Augen getötet), dass sie einen Hass auf eine größere Gruppe von Wesen entwickelt haben. Allerdings lassen sich auch bei diesen Charakteren irgendwelche Vorlieben finden. Sei es nur, dass ihnen plötzlich ausgiebige Folter gefällt. Aus unserer Sicht wäre das negativ behaftet, aber hier gilt es, sich in den Charakter hinein zu versetzen. Dann wäre Folter doch eine Nachvollziehbare Vorliebe, nicht wahr?
 

Schlusswort

Die Auswahl an Vorlieben und Abneigungen ist einer der intensiveren Teile in der Charaktererstellung. Einfach aus dem Grund, weil man sich sehr in den Charakter hinein versetzen muss, um seine Reaktionen und damit seine Vorlieben und Abneigungen abschätzen zu können. Doch auch amüsante Seiten lassen sich, besonders bei den Vorlieben, finden. Es gibt hier so gut wie keine Regeln und man kann die schrägsten Kombinationen ausprobieren. Dennoch sollte man stets im Hinterkopf behalten, wie der Charakter auf Andere wirken könnte, wenn diese Merkwürdigkeiten ans Licht kommen. Sollten Reaktionen geplant sein, die den Charakter vielleicht in Schwierigkeiten bringen könnten, dann kann man sich hier austoben. Wenn nicht, dann lieber Dinge wählen, die nicht so negativ auffallen könnten.
 
In dem Sinne.
Grüße,
ich